Geschichte - Bücherstube Leonie Konertz. Lister Meile 88 - Nähe Lister Platz!

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Geschichte


Bücherstube Leonie Konertz. Seit über 100 Jahren!
Es war ein langer mühsamer Weg, den die Gründerin in den Anfängen gehen mußte. Denn Antonie Leeser gründete die Buchhandlung am Lister Platz bereits zu Kaisers Zeiten, was für eine Frau recht ungewöhnlich war. Dafür übernahm sie im Jahre 1908 die ehemalige Leihbücherei auf der Lister Meile - damals noch Celler Straße - und erweiterte sie durch eine Buchhandlung. Rechnung von 1919

Von 1934 an war die Buchhandlung Antonie Leeser die Letzte, von einer jüdischen Inhaberin geführte Buchhandlung in Hannover.
"Kauft nicht beim Juden". Namentlich wurde gegen Frau Leeser im "Hannoverschen Anzeiger" (seit 1949 "HAZ"), gehetzt. Laut Zeugenaussagen von 1948, war auch der örtliche Buchhandel (in der Nachbarschaft) an der Ausschaltung einer Konkurrenz aktiv beteiligt. Nach dem Ausbleiben der "deutschen Kundschaft", trotz des Engagements in der jüdischen Gemeinde, dem Kartenvorverkauf für Veranstaltungen und Annoncen im jüdischen Gemeindeblatt, reichte es schließlich nicht mehr für die Existenz der Buchhandlung. Im Jahre 1936 gab Antonie Leeser das Geschäft an die heutige Namensgeberin der Bücherstube, Leonie Konertz, weiter. Die Möglichkeit einer Auswanderung nach England soll Frau Leeser mit den Worten: „Ich bin Deutsche, was soll mir schon p
assieren“ abgelehnt haben. Von Ihrer Wohnung in der Podbielskistr. verblieb Ihr nur ein Zimmer. Ihre Möbel wurden enteignet, bis auf Anweisung der Stadt Hannover der Umzug in ein sogenanntes "Judenhaus"  verfügt wurde. Antonie Leeser wurde 1942 mit 600 weiteren Bürgern jüdischer Herkunft aus Hannover, in das KZ Theresienstadt deportiert. Mit dem Transport nach Auschwitz verliert sich ihre Spur am 12/10/1944.

Den "totalen" Krieg überstand das Geschäft schließlich wieder als Leihbuchhandlung. Der drohenden Schließung, der Beschäftigung aller Mitarbeiter in einem Rüstungsbetrieb, kam Leonie Konertz damit zuvor. Die Bemerkung zu einer Kundin, " Der Hugenberg Platz (so wurde der Lister Platz 1933 von den Nazis umbenannt), heisst auch bald wieder anders", brachten Ihr acht Tage Arrest bei der Gestapo am Welfenplatz ein. Einer Schließung der Leihbuchhandlung konnte sie nur knapp entgehen.

Aus einem Brief von Eva Raub, der Nachfolgerin von Leonie Konertz.
Über den Räumen meiner späteren Lehr-Buchhandlung lagen damals Trümmer von 6 Etagen (4 Häuser nebeneinander waren betroffen), die bei dem letzten Angriff auf Hannover noch zerstört wurden. In dieser Nacht stieg ich hier um 2 Uhr - die Züge hatten alle Riesenverspätungen - über die Trümmerhaufen dieser Häuser. Damals ahnte ich noch nicht, daß ich an diesem Ort einmal arbeiten würde.  
            
Leonie Konertz legte selber Hand an, schleppte Backsteine und Ziegel und bereits im Oktober konnte die Buchhandlung nach einem atemberaubenden Wiederaufbau des Erdgeschosses erneut öffnen. Überlebende des Holocaust, wie der in Hannover bekannte Jurist Horst Egon Berkowitz, hielten "Ihrer" Buchhandlung auch nach 1945 die Treue. War der Kauf der Buchhandlung 1936 rechtsmäßig? Jahrelange Gerichtsverfahren mit der Jewish Trust Corporation (Jüdische Treuhandgesellschaft) ergaben, Frau Konertz hatte einen fairen Preis bezahlt, sogar 600 RM zuviel und verbotener Weise 10.000 Reichsmark für den Firmenwert überwiesen. Bitter, die Einstellung des Verfahrens erfolgte trotzdem erst nach Zahlung von 600 DM an die Jewish Trust Corporation.
Alte Kunden und ehemalige Mitarbeiter schilderten Leonie Konertz als Chefin mit durchaus "Haaren auf den Zähnen", aber auch mit großem "Herz". Für Härtefälle wie Trauer, oder Liebeskummer der Mitarbeiter, stand immer eine Flasche Weinbrand in ihrem Schreibtisch. Neben tröstenden Worten und einer Umarmung, fiel dann der Spruch: "Darauf müssen wir erstmal einen Lütten trinken". Auch für finanzielle Notfälle soll es immer einen Vorschuß gegeben haben. Andere Zeiten, anderer Führungsstil, aber ist heute alles besser?

   


Als Nachfolgerin übernahm Frau Eva Raub 1964 die Geschicke der Buchhandlung. Durch den Neubau des Geschäftshauses Lister Meile 88 verlor die Bücherstube 1984 für ein Jahr ihr Domizil. Unvergessen ist Ihre Idee, während dieser Zeit die Geschäfte in einem ausrangierten Schienenbus am Lister Platz fortzuführen.

Wo gute Bücher zu Hause sind.
An die Vergangenheit erinnert in der Bücherstube Leonie Konertz nur noch wenig. Ein vielfältiges Angebot guter Literatur macht den Erfolg der Traditionsbuchhandlung aus. Und: Wir lieben Bücher! Bis unter die Decke reihen sich die gut sortierten Buchregale in dem zweigeschossigen Geschäftshaus. Dort findet man nicht nur neueste wissenschaftliche Werke, literarische Klassiker und eine große Auswahl an Reiseführern. Romane, Koch- und Kinderbücher runden das Sortiment ab, und der gute Service des Teams rund um die Schulbuchbestellungen, hat sich schon lange bis weit in das Umland von Hannover herumgesprochen.




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